Rapunzel Lieferantentage
Ein persönlicher Erfahrungsbericht
Abigail Birech ist seit 10 Jahren Teil unseres LIMBUA Teams und arbeitet in Kenia eng mit Rapunzel Naturkost als Kunden zusammen – unter anderem in Bereichen wie Besuchermanagement und operativen Prozessen rund um die Lieferungen. Gemeinsam mit Sales Managerin Bettina Schley nahm sie erstmals an den Rapunzel Lieferantentagen in Legau teil und gibt Einblicke in ihre Erfahrungen vor Ort.

LIMBUA Mitarbeiterinnen Abigail Birech und Bettina Schley im Austausch mit weiteren HAND IN HAND Partnern.
Bild: Rapunzel Naturkost
Abigail, wie hast du Rapunzel Naturkost und die Lieferantentage erlebt?
Abigail: "Mein sehr prägender erster Eindruck war, wie vertraut alle bei Rapunzel bereits mit LIMBUA sind. Sie haben uns sofort erkannt und genau das hat ein Gefühl von Zugehörigkeit geschaffen – ich habe mich direkt sehr willkommen gefühlt.
Die Veranstaltungen fanden im Rapunzel Besucherzentrum statt – einer modernen Anlage mit Kaffeerösterei, einem Museum, mehreren Konferenzräumen und einem Bio-Laden für die gesamte Region. Dort wird eine große Bandbreite an Bio-Produkten angeboten, und es war beeindruckend zu sehen, wie konsequent Bio nicht nur produziert, sondern auch im Alltag gelebt wird – auch bei den Mahlzeiten, die vollständig biologisch waren.

Einblick in den Bio-Laden des Rapunzel Besucherzentrums. Bild: Rapunzel Naturkost
Die Präsenz des Gründers Joseph Wilhelm mit seiner Familie während des Events – inklusive junger Kinder – empfand ich als sehr inspirierend. Die starke Familienkultur war spürbar und zeigt sich auch in der Art, wie das Unternehmen geführt wird.
Es waren Lieferanten aus aller Welt vor Ort, unter anderem aus Südamerika, Tansania und den Komoren. Gleichzeitig zeigte sich auch das Rapunzel Team selbst sehr vielfältig und mehrsprachig – es wurde ganz selbstverständlich auf Deutsch, Englisch, Französisch und sogar Chinesisch kommuniziert. Sehr beeindruckend!"
Welche Themen wurden während der Rapunzel Lieferantentage behandelt?
Abigail: "Während der Sessions wurden vertiefte Einblicke in die HAND IN HAND Zertifizierung gegeben. Für mich war das besonders spannend, weil ich die Zertifizierung bisher vor allem aus ihrer 34-jährigen Geschichte kannte – tatsächlich entwickelt sie sich aber weiter zu einer Plattform, die nicht nur zertifiziert, sondern auch Werte, Identität und Geschichten der Partner sichtbar macht. Das hat mir auch gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir bei LIMBUA noch stärker kommunizieren, wer wir sind und wofür wir stehen.

Austausch im Rahmen der HAND IN HAND Workshops mit internationalen Partnern und Rapunzel Team. Bild: Rapunzel Naturkost
Wir wurden für die Workshops in Gruppen eingeteilt: In meiner Gruppe waren unter anderem ein Arabica-Kaffee-Lieferant aus Tansania sowie Mitglieder des Rapunzel Teams, unter anderem aus dem Bereich Einkauf. Ein Fokus des Workshops lag auf regulatorischen Anforderungen, insbesondere im Zusammenhang mit EmpCo (EU 2024/825 – eine Richtlinie zur Vermeidung von irreführenden oder nicht belegbaren Umweltaussagen „Greenwashing“ in der Werbung innerhalb der EU) sowie ISO-Standards. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur die Anforderungen steigen, sondern deren Auslegung zunehmend komplex wird.
Es kam auch die Trennung zwischen Zertifizierungsstellen und Siegelgebern zur Sprache. Das bedeutet, dass die Organisationen, die prüfen, nicht dieselben sind wie diejenigen, die Programme oder Labels verantworten. Diese Trennung ist wichtig für Glaubwürdigkeit.

Workshop zu Living Wage und Living Income – Diskussion zu fairen Einkommen und nachhaltigen Lebensgrundlagen.
Bild: Rapunzel Naturkost
Zentrales Thema waren Living Wage und Living Income – also die Frage, wie Einkommen für Mitarbeitende und Landwirtinnen und Landwirte so gestaltet werden können, dass sie langfristig zum Leben reichen. Dabei wurden intensiv aus verschiedenen Perspektiven kurz- sowie langfristige Ansätze diskutiert.
Ein weiterer Schwerpunkt war das sogenannte Impact Monitoring, also die Frage, wie messbar gemacht werden kann, ob Maßnahmen tatsächlich wirken – zum Beispiel wie sich Einkommen oder Lebensbedingungen verbessern. Zusätzlich wurde darüber gesprochen, wie die Lieferanten und Lieferantinnen noch stärker unterstützt werden können, etwa durch gezielte Beratung."

Internationale HAND IN HAND Partner bei den Lieferantentagen. Bild: Rapunzel Naturkost
Wie hast du die Workshops und den Austausch mit anderen Lieferanten erlebt?
Abigail: "Der Kontakt mit Menschen aus verschiedenen Ländern war sehr wertvoll für mich. Ich habe unter anderem einen ebenfalls Demeter-zertifizierten Lieferanten aus Ägypten kennengelernt und mich mit ihm ausgetauscht. Dadurch habe ich viele praktische Einblicke in Arbeitsweisen und gemeinsame Herausforderungen entlang globaler Lieferketten gewonnen."

Abigail Birech mit Rapunzel Geschäftsführerin Margarethe Epple.
Beide kennen sich bereits durch den Besuch von Rapunzel Naturkost 2024 bei LIMBUA in Kenia. Bild: Rapunzel Naturkost
Gibt es persönliche Highlights?
Abigail: "Aus meiner Sicht zeichnet sich die Partnerschaft durch ihren klaren Fokus auf Wirkung aus. Rapunzel Naturkost ist nicht nur auf das Geschäft ausgerichtet, sondern darauf, gesellschaftliche Veränderungen zu fördern. Durch das HAND IN HAND Programm profitieren die Farmer direkt, und viele dieser Ansätze wirken sich auch auf ihre Familien und Gemeinden aus.
Besonders berührend war für mich zu sehen, wie würdevoll LIMBUA im Rapunzel Museum präsentiert wird – das zeigt mir, wie sehr unsere Partnerschaft geschätzt wird.
"Am emotionalsten war für mich jedoch der Moment, in dem ich die Macadamia-Produkte im Bio-Laden-Regal entdeckt habe, die direkt aus unserer Arbeit entstehen. Zu sehen, wie unsere Rohstoffe aus Kenia Teil fertiger Bio-Produkte in Deutschland werden, war ein sehr stolzer und bewegender Augenblick."

Rapunzel Naturkost Produkte mit LIMBUA Bio-Macadamia
Was ist dein wichtigstes Learning?
Abigail: "Die wichtigste Erkenntnis für mich ist, dass ein Unternehmen über Generationen hinweg aufgebaut werden kann. Rapunzel macht es vor – durch die starke Einbindung der Familie und echte Beziehungen zu den Lieferanten. Das Modell wirkt dadurch robust und nachhaltig und wird von einem vielfältigen Team getragen.
Auffällig ist, dass der Fokus nicht nur auf Kunden liegt, sondern sehr bewusst auch auf den Beziehungen zu den Lieferanten. Das schafft Vertrauen.
Ich hatte während meines Aufenthalts in Deutschland außerdem die Möglichkeit, Bio-Läden zu besuchen, die eine große Rapunzel-Produktvielfalt anbieten und Bio-Konsum aktiv fördern. Diese Marktpräsenz zu sehen, war sehr inspirierend."

Das Rapunzel Museum – Einblicke in die Geschichte und das Partnernetzwerk.
Was nimmst du für dich aus den Lieferantentagen mit?
Abigail: "Die Zeit in Legau hat neue Ideen angestoßen, wie unsere Zusammenarbeit weiterentwickelt werden kann – etwa durch neue Produkte, stärkere Sichtbarkeit von LIMBUA und mehr Möglichkeiten für Wissensweitergabe.
Besonders wertvoll war für mich zu sehen, wie LIMBUA Teil des Rapunzel Ökosystems ist. Die Eindrücke und Impulse habe ich mit nach Kenia genommen – es war eine beruflich wie persönlich sehr bedeutende Erfahrung.
Asante Sana!"