Zum Hauptinhalt springen

Zwischen Farmbesuch und Dokumentation

Wie Bio- und Sozialstandards kontrolliert werden

Bio Prüfungen bei LIMBUA
Wie wird die Einhaltung diverser Zertifizierungsrichtlinien in einem Netzwerk aus über 9.000 Kleinbauern und Bäuerinnen überprüft? Um genau diese Frage geht es derzeit bei den laufenden Audits in Kenia.


Mit acht internationalen Bio- und Sozialstandards gehört LIMBUA heute zu den umfangreich zertifizierten Bio-Produzenten. Dazu zählen EU Bio und USDA Organic, Naturland, Bio Suisse, Demeter, Regenerative Organic Certified (ROC), Fair for Life sowie Rainforest Alliance.

Insgesamt prüfen fünf externe Auditoren der Zertifizierungsstellen zusammengenommen rund 12 Monate pro Jahr die LIMBUA Produktionsstandorte sowie unser Farmernetzwerk. Die einzelnen Auditphasen pro Auditor erstrecken sich dabei jeweils über bis zu drei Monate. Kontrolliert wird vor allem, wie die Vorgaben praktisch auf den Höfen und in der Produktion umgesetzt werden. Denn internationale Zertifizierungen bedeuten weit mehr als die Einhaltung einzelner Richtlinien auf dem Papier.

Externe Auditoren und LIMBUA Team im Gespräch mit Kleinbauern während eines Zertifizierungsaudits in Kenia

Externe Auditoren prüfen die praktische Umsetzung der Zertifizierungsanforderungen im LIMBUA Farmernetzwerk

Hinter jedem Zertifikat stehen eigene Kriterien: Während EU und USDA Organic vor allem die Grundlagen des ökologischen Landbaus definieren, gehen einige der Zertifizierungen weiter und legen zusätzliche Schwerpunkte wie Bodengesundheit und Biodiversität.

Fair for Life konzentriert sich dabei besonders auf soziale Richtlinien entlang der gesamten Lieferkette und prüft unter anderem Arbeitsbedingungen sowie die Rechte aller Beteiligten. Ein komplexes System an Anforderungen, an dessen Einhaltung ganze Teams bei LIMBUA täglich arbeiten.

Warum große Netzwerke heute anders organisiert werden

Mit den aktuellen EU-Regularien wurden die generellen Anforderungen an große Netzwerke mit tausenden Akteuren deutlich genauer definiert. Aus Sicht der EU Bio-Zertifizierungsstellen gelten solche Strukturen als schwer kontrollierbar, wenn sämtliche Prozesse über ein zentrales System verwaltet werden.

Bei LIMBUA wurde das Netzwerk der Vertrags-Kleinbauern und Bäuerinnen deshalb gemäß der aktualisierten Richtlinien in regionale Gruppen mit eigener Vertretung gegliedert. Denn die EU verlangt nachvollziehbare Verantwortlichkeiten: Farmernetzwerke müssen dokumentieren können, wer Entscheidungen trifft und wie mögliche Interessenskonflikte vermieden werden. Gleichzeitig sollen Kontrollsysteme unabhängig stattfinden und nicht über dieselben Personen gesteuert werden.

Kleinbauernvertreter und LIMBUA Team während eines Zertifizierungsaudits in Kenia

Unabhängig gewählte Kleinbauernvertreter einer regionalen Farmergruppe mit LIMBUA Agrar Team Mitgliedern

Jede unserer Farmer-Gruppen hat daher feste Ansprechpartner und definierte Zuständigkeiten in Form von unabhängig gewählten Kleinbauernvertretern und Vertreterinnen des jeweiligen Distrikts. Die Gruppensprecher begleiten dabei unter anderem die Kommunikation zwischen den Farmern und LIMBUA. Gerade bei Sozial-Standards wie Fair for Life spielen solche lokalen Vertretungsstrukturen eine wichtige Rolle.

Das Kontrollsystem hinter den Zertifizierungen

Ein entscheidender Bestandteil großer Farmernetzwerke ist das sogenannte Internal Control System – kurz ICS. Ohne solche internen Kontrollsysteme wären Zertifizierungen in dieser Größenordnung und Komplexität nicht umsetzbar.

Der Schlüssel hierzu ist unser LIMBUA Agrar Team: Dieses besteht aus studierten Agronomen, welche die Brücke zwischen den tausenden Kleinbauern und LIMBUA bilden. Die Teammitglieder begleiten die Kleinbauern mit Rat und Tat im Alltag auf ihren Farmen. Sie führen Schulungen durch und unterstützen bei Fragen rund um den Bio-Anbau und den Zertifizierungsanforderungen.

LIMBUA Agrar Team mit Kleinbäuerin auf ihrer Farm in Kenia

LIMBUA Field Officer kontrollieren im Rotationsprinzip die Kleinbauern und Bäuerinnen laut Zertifizierungsanforderungen

Jeder der über 9.000 Bio-Farmer wird mindestens einmal pro Jahr unangekündigt kontrolliert und muss jedes Jahr erneut verifiziert werden. 

Jeder Farmergruppe ist ein zuständiges Agrar Team zugeordnet. Die LIMBUA Field Officer führen die internen Kontrollen auf den Höfen durch. Damit diese unabhängig erfolgen, arbeitet LIMBUA nach dem Rotationsprinzip: Die Inspektionen werden bewusst von Mitarbeitenden durchgeführt, die nicht für dieselbe Region in beratender Funktion verantwortlich sind.
Dabei werden unter anderem Lagerhaltung, Tierwohl sowie die Einhaltung der Standards für Mitarbeitende auf den Höfen überwacht. Die ICS Officer kontrollieren im Anschluss die Ergebnisse der internen Audits — ob alles korrekt erfasst und dokumentiert wurde und ob eventuelle Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Die Rolle der externen Auditoren

Mehrere Monate lang überprüfen externe Auditoren der Zertifizierungsstellen die Abläufe innerhalb von LIMBUA. Dabei besuchen sie nicht nur die Produktionsstätten, sondern auch mehrere hundert Farmen innerhalb des Kleinbauernnetzwerks. Insgesamt werden derzeit mindestens 500 Farmer direkt durch die externen Auditoren kontrolliert.

Externer Auditor kontrolliert Tierhaltung

Auf den Farmen kontrollieren Auditoren unter anderem die artgerechte Tierhaltung

Gerade die Unabhängigkeit der Auditoren spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Prüfungen erfolgen auf Basis internationaler Standards von EU Bio und USDA Organic sowie zusätzlicher Zertifizierungen wie Naturland oder Rainforest Alliance. Jede dieser Zertifizierungen bringt eigene Anforderungen und zusätzliche Schwerpunkte mit sich. Die Auditoren stellen insbesondere sicher, ob unser Internes Kontrollsystem zuverlässig arbeitet und ob die Regularien der verschiedenen Standards konsequent durchgesetzt werden.

Auf den Farmen schauen die Auditoren sich unter anderem die Anbauflächen an und sprechen direkt mit den Kleinbauern und Bäuerinnen. Diese Interviews sind ein wichtiger Bestandteil der Inspektionen: Die Auditoren fragen beispielsweise nach Anbaumethoden und Kenntnisse der Farmer zu den Bio-Vorgaben. Auch die Rückverfolgbarkeit der Ernten, die Pflanzengesundheit oder der Schutz natürlicher Gewässer und Flächen wird kontrolliert.

Auch soziale Themen spielen dabei eine Rolle. Im Rahmen von Standards wie Fair for Life werden zusätzlich Gespräche mit Farmern und Mitarbeitenden geführt, um Arbeitsbedingungen und Beschwerdemechanismen innerhalb des Netzwerks und der Betriebe nachvollziehen zu können.

Externe Auditoren prüfen Abläufe und Rückverfolgbarkeit in einem LIMBUA Produktionsstandort

In den Produktionsstandorten werden u.a. Warenflüsse und Rückverfolgbarkeit geprüft

In den Produktionsstandorten kontrollieren die Auditoren Verarbeitungsschritte, Warenflüsse und die Rückverfolgbarkeit der Macadamia-, Avocado- und Mango-Verarbeitung durch den gesamten Produktionsprozess. Dabei wird zum Beispiel untersucht, ob zertifizierte Ware sauber getrennt verarbeitet und sämtliche Abläufe nachvollziehbar dokumentiert werden. 

Beispiel: Kompost als Bestandteil der Auditierungen

Vor allem im biodynamischen und regenerativen Landbau, wie Demeter und Regenerative Organic Certified (ROC), gilt lebendiger Boden als wichtige Grundlage für langfristig stabile Landwirtschaftssysteme. Deshalb gehören Kompostierung und Bodenmanagement bei den LIMBUA-Kleinbauern zum Alltag auf den Höfen.

In unseren internen Bio-Schulungen sowie direkt durch die LIMBUA Agrar Teams lernen die Kleinbauern und Bäuerinnen, wie Kompost auf den eigenen Farmen hergestellt wird. Dabei werden unter anderem pflanzliche Reststoffe und organisches Material aus der Landwirtschaft genutzt, um natürliche Nährstoffkreisläufe auf den Höfen zu stärken.

Auditoren und LIMBUA Team prüfen Kompostierung und Bodenmanagement auf einer Kleinbauernfarm in Kenia

Kompostierung und Bodenmanagement werden im biodynamischen und regenerativen Landbau auditiert

Gut angelegter Kompost unterstützt die Wasserspeicherung und fördert das Bodenleben. Gleichzeitig hilft er dabei Bodenerosion zu reduzieren. Gerade in Regionen mit intensiver Sonneneinstrahlung und unregelmäßigen Regenzeiten spielen gesunde Böden eine wichtige Rolle für die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Flächen – auch in Hinblick auf den Klimawandel.

Während der externen Audits gehört Kompostierung somit zu den Themen, die auf den Farmen überprüft werden. Die Auditoren schauen sich unter anderem an, wie der Kompost gelagert wird und welche Materialien verwendet werden. Besonders bei der biodynamischen Landwirtschaft geht es dabei um den langfristigen Aufbau funktionierender natürlicher Kreisläufe auf den Farmen.

Auditoren und LIMBUA Team während einer Farmbegehung im Kleinbauernnetzwerk in Kenia

Farmbegehung und Prüfung der Anbauflächen

Viele Zertifikate bedeuten hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand

Was am Ende als Siegel auf einer Verpackung sichtbar wird, bedeutet in der Praxis tägliche Arbeit der LIMBUA Teams und monatelange Überprüfungen durch die Zertifizierungsstellen.

Die Auditierungen machen sichtbar, wie viel Organisation und Kraftaufwand hinter den internationalen Zertifizierungen tatsächlich steckt. Auch die Zertifizierungskosten für mehrere tausend Farmer in unserem Netzwerk werden von LIMBUA übernommen.

Ob biologische oder soziale Standards — die Anforderungen begleiten unsere Kleinbauern und Bäuerinnen sowie die LIMBUA Mitarbeitenden das gesamte Jahr über. Der eigentliche Prüfzeitraum durch die externen Auditoren ist dabei nur ein Teil eines größeren Prozesses, der täglich auf den Höfen und in den Produktionsstandorten weitergeführt wird.