Training of Trainers bei LIMBUA

Im Spätsommer kamen rund 50 Teilnehmende bei LIMBUA in Kenia zu einem mehrtägigen Training of Trainers (ToT) zusammen. Unternehmer, Agronomen und erfahrene Fachleute der biodynamischen Landwirtschaft aus verschiedenen Ländern Afrikas sowie Deutschland brachten ihre Erfahrungen in das Training ein.
Das diesjährige Training stand unter dem Schwerpunktthema „Economic Value Chain“. Dabei ging es darum, biodynamische Landwirtschaft nicht nur aus Sicht des Anbaus zu betrachten, sondern auch die wirtschaftliche Seite mitzudenken. Denn ein Betrieb kann ökologisch gut arbeiten und dennoch langfristig nicht bestehen, wenn Produkte keinen verlässlichen Absatz finden oder die Kosten der Produktion nicht gedeckt werden können.

Rund 50 Teilnehmende aus verschiedenen Ländern kamen zum Training of Trainers bei LIMBUA in Kenia zusammen
Lernen, anwenden und weitergeben
Das ToT ist Teil einer Reihe von Trainings zur biodynamischen Landwirtschaft in Afrika. An der Organisation und Unterstützung sind unter anderem die Indigenous Biodynamic African Association (IBAA), die Biodynamic Federation Demeter International und das Goetheanum beteiligt.
Die Teilnehmenden sollen das Gelernte später selbst in Trainings und in der Zusammenarbeit mit Farmern einsetzen. Entsprechend beschäftigte sich das Programm auch damit, wie landwirtschaftliches Wissen vermittelt werden kann. Ein klassischer Frontal-Unterricht, bei dem eine Person spricht und die anderen zuhören, wurde einem stärker beteiligungsorientierten Ansatz gegenübergestellt.
Das spiegelte sich auch im Training selbst wider. Fachlicher Input wechselte sich mit praktischer Arbeit und dem Austausch eigener Erfahrungen ab. Gelebte Praxis!

Theorie, praktische Arbeit und Erfahrungsaustausch waren eng miteinander verbunden
Wertschöpfung im Ursprung erleben
Die Idee, das ToT bei LIMBUA durchzuführen, entstand im Austausch zwischen LIMBUA-Gründer Matti Spiecker und Angela Hofmann von SEKEM. Unser Team gab beim Training Einblicke in die Zusammenarbeit mit den Kleinbauern und -bäuerinnen, in den Ernteeinkauf und in die anschließende Weiterverarbeitung der Produkte.
So konnten die Teilnehmenden nachvollziehen, wie aus den Ernten der Kleinbauern Bio-Produkte für internationale Märkte entstehen: Macadamia-Kerne, Avocado-Öl und getrocknete Mangos als Bulkware für den Export.
Auch die Organisation einer kleinbäuerlichen Lieferkette war Teil des Austauschs. Im Training ging es unter anderem darum, wie Farmer betreut werden und wie der Einkauf auf den Farmen digital organisiert ist. Die Wertschöpfungskette wurde dabei vom landwirtschaftlichen Produkt bis zur internationalen Vermarktung betrachtet.
Biodynamik in der Praxis
Die biodynamische Praxis nahm einen großen Teil des Trainings ein. Dabei ging es bewusst nicht nur darum, Methoden in Präsentationen kennenzulernen. Die Teilnehmenden stellten verschiedene biodynamische Präparate selbst her und beschäftigten sich damit, wie sie vorbereitet und auf den Farmen angewendet werden.
Ein Schwerpunkt lag auf Präparaten für Boden und Pflanzen sowie auf verschiedenen Kompostpräparaten. Die Gruppe lernte die dafür verwendeten Materialien kennen und konnte die Herstellung praktisch nachvollziehen.
Denn für ein Training of Trainers ist diese praktische Erfahrung wesentlich. Wer später selbst mit Farmern arbeitet, soll eine Methode nicht nur aus einer Präsentation kennen, sondern verstehen, wie sie in der Realität funktioniert.

Die Teilnehmenden lernten biodynamische Methoden nicht nur theoretisch kennen, sondern setzten sie gemeinsam praktisch um
Kompost: Es geht ans Eingemachte
Auf einer der LIMBUA Kleinbauern-Farmen legte die Gruppe gemeinsam einen biodynamischen Komposthaufen an. Die vorbereiteten organischen Materialien wurden aufgebaut und die entsprechenden Kompostpräparate eingebracht. In den folgenden Tagen kontrollierte die Gruppe die Entwicklung und wendete den Kompost. So ließ sich direkt beobachten, wie der Kompostierungsprozess in Gang kam und wie er gesteuert werden kann.
Am LIMBUA-Standort Ena begegnete den Teilnehmenden das gleiche Grundprinzip in wesentlich größerem Maßstab. Bei der Verarbeitung von Macadamia, Avocado und Mango fallen dort große Mengen organischen Materials an.
Für die organischen Reststoffe sind am Standort Ena breite Terrassen angelegt, auf denen das Material kompostiert wird. Die großen Mengen bringen jedoch andere praktische Anforderungen mit sich als die Kompostierung auf einer Kleinbauern-Farm: Material muss bewegt und regelmäßig gewendet werden, gleichzeitig wird ausreichend Platz für die unterschiedlichen Stadien der Kompostierung benötigt.
Für die Teilnehmenden wurde dabei sichtbar, welche Rolle Kompost sowohl auf einer einzelnen Farm als auch innerhalb der Verarbeitung spielen kann: Organisches Material wird nicht einfach entsorgt, sondern soll möglichst wieder in den landwirtschaftlichen Kreislauf zurückgeführt werden.

Kompostierung spielt sowohl auf den Kleinbauern-Farmen als auch bei der Nutzung organischer Reststoffe aus der Verarbeitung eine Rolle
Erst beobachten, dann eingreifen
Ein weiterer Trainingsbereich beschäftigte sich mit Pflanzenkrankheiten und Pflanzenbefall. Denn ähnliche Symptome können unterschiedliche Ursachen haben – und nicht jede Veränderung erfordert sofort eine Behandlung.
An einem einfachen Beispiel wird das deutlich: Bei einem Befall mit Blattläusen kann zunächst geprüft werden, welche Nützlinge bereits auf der Fläche vorhanden sind. Marienkäfer und Florfliegen ernähren sich von Blattläusen und können auf natürliche Weise zu ihrer Regulierung beitragen. Ein breit wirkendes Mittel könnte dagegen auch diese Nützlinge beeinträchtigen.
Daneben wurden weitere Möglichkeiten besprochen, etwa das Entfernen befallener Pflanzenteile oder der Einsatz zugelassener botanischer und organischer Betriebsmittel, wenn eine Behandlung notwendig wird. Entscheidend ist, zunächst genau zu beobachten und dann zu handeln.

Die genaue Beobachtung von Pflanzen und ihrer Umgebung bildet die Grundlage für geeignete Maßnahmen
Von Namibia bis Kenia: Landwirtschaft unter anderen Bedingungen
Landwirtschaft in Namibia findet unter anderen klimatischen Voraussetzungen statt als am Fuße des Mount Kenya. Entsprechend unterscheiden sich auch die Herausforderungen und die Lösungen, die sich in der Praxis bewährt haben.
Eine Session aus Namibia beschäftigte sich beispielsweise mit Landwirtschaft unter sehr trockenen Bedingungen. Die Frage, wie Wasser möglichst effizient genutzt und im Boden gehalten werden kann, erhielt dadurch besonderes Gewicht. Auch bei der Agroforstwirtschaft trafen unterschiedliche Erfahrungen aufeinander. Die Verbindung von Bäumen mit anderen landwirtschaftlichen Pflanzen kann beispielsweise helfen, den Boden zu schützen und Wasser auf den Flächen zu halten.
Das ToT bot deshalb keinen fertigen Bauplan, der von Kenia aus auf andere Länder übertragen werden sollte. Vielmehr konnten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen miteinander vergleichen und diskutieren, welche Ansätze sich für die Landwirtschaft in ihren Regionen eignen.

Die Bedingungen für Landwirtschaft unterscheiden sich innerhalb Afrikas erheblich, entsprechend wichtig war der Austausch eigener Erfahrungen
Von der Ernte zum marktfähigen Produkt
Das Schwerpunktthema „Economic Value Chain“ richtete den Blick auch auf die Verarbeitung zertifizierter Rohstoffe. Denn sobald ein landwirtschaftliches Erzeugnis die Farm verlässt, muss seine Herkunft weiterhin nachvollziehbar bleiben.
Am Beispiel von Avocados wurde gezeigt, wie die Rohware von der registrierten Farm über die Annahme bis in die Verarbeitung eindeutig zugeordnet wird. Gerade bei zertifizierten Produkten ist diese Rückverfolgbarkeit eine Voraussetzung dafür, dass ihre Identität über die gesamte Verarbeitung erhalten bleibt.
Darüber hinaus beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der wirtschaftlichen Seite einer Farm. Produktionskosten müssen bekannt sein, Investitionen geplant und Marktanforderungen berücksichtigt werden. Auch der von SEKEM vorgestellte Ansatz „Economy of Love“ brachte eine weitere Perspektive in diese Diskussion ein, indem wirtschaftliches Handeln mit ökologischen und sozialen Fragen verbunden wird.

Das Training betrachtete die Wertschöpfung von der landwirtschaftlichen Erzeugung bis zum marktfähigen Produkt
Von Embu zurück in viele Regionen Afrikas
Die Tage bei LIMBUA lebten von den unterschiedlichen Perspektiven der Teilnehmenden. Langjährige biodynamische Erfahrung aus verschiedenen Ländern traf auf die kleinbäuerliche Landwirtschaft am Fuße des Mount Kenya. Auch für uns als Gastgeber war das ToT sehr bereichernd: Die Menschen brachten Wissen aus ihren eigenen Regionen mit, während sie bei LIMBUA Einblicke in ein Modell erhielten, das biologische Landwirtschaft mit einem großen Netzwerk von Kleinbauern und eigener Verarbeitung in der Region verbindet.
Die rund 50 Teilnehmenden tragen die Erfahrungen aus Kenia nun weiter. Als Trainer und Multiplikatoren können sie das Gelernte in ihre eigene Arbeit mit Farmern einbringen und mit dem Wissen verbinden, das in ihren Regionen bereits vorhanden ist. Genau darin liegt die Idee des Training of Trainers: Aus dem gemeinsamen Lernen an einem Ort entstehen Impulse für biodynamische Landwirtschaft an vielen Orten in Afrika.

Erfahrungen aus verschiedenen Regionen Afrikas kommen bei LIMBUA in Kenia zusammen









